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Informationen zur niederländischen Sprache und Kultur


Stand der Bearbeitung: 15.7.2007
Zuletzt bearbeitet: 4.8.2007

Comics und Cartoons in Flandern


Fassaden in Brüssel
Cartoonist ZAK, Pseudonym des Flamen Jacques Moeraert




Fassaden in Brüssel Hg.: J. Vercruysse, Generalverwalter a.I. Tourismus Zentrale Flandern: Flanderns schöne Seiten. Magazin 2007.
Die vollständige Broschüre finden Sie unter http://www.flandern.com/download/pdf/TFB_Brosch07.pdf
Sarah Stock: Rendevouz in Brüssel, S. 51-54
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Bei der Touristeninformation bekomme ich gratis einen Stadtplan und, worüber ich mich besonders freue, einen "Stripwalk- Plan" durch die Stadt. Hier sind alle Comic-Fassaden von Brüssel eingezeichnet, die man bei einem Spaziergang durch die Stadt bewundern kann. Der so genannte "Comic-Walk" ist einzigartig in Europa. Wo hat man schon die Gelegenheit, alle belgischen Comic-Heldenvon dem Marsupilami bis zu den Schlümpfen überlebensgroß auf der Straße zu treffen? Das kommt nicht von ungefähr, denn Brüssel ist die Heimat vieler Comic-Zeichner. Nicht nur Hergé, der geistige Vater von Tim & Struppi, ließ sich von Brüssel und seinen Museen inspirieren. Die 6 km lange Route führt an insgesamt 32 großformatigen Comic-Malereien an Hauswänden vorbei und gibt einen überblick über die vielfältige Comic-Kultur Brüssels. Als Erstes entdecke ich die Comic-Wand, auf der "Nero" versucht, auf einen Baum zu klettern Nero ist sympathisch, aber ein typisch flämischer Pantoffelheld, der dicke Waffeln futtert, also nichts für mich. Im Marollenviertel laufen mir auf einer bunten Comic-Wand Schnieff und Schnuff entgegen. Der Platz ist gut gewählt, denn in der Welt des kleinen Jungen mit seinem Hund erinnert vieles an das typische Brüssel. Die beiden heißen hier Boule & Bill und sind das Werk des zweiten großen Comic-Meisters, Jean Roba. Ultramarinblau leuchtet die Comic- Fassade mit meiner Lieblings-Comic-Heldin, der schönen, jungen und intelligenten Detektivin Caroline Baldwin. Das Schatzsuch-Fieber hat mich gepackt, schnell zur nächsten Wand. Eins der Highlights meiner Reise ist das Comic-Museum. Allein das Gebäude ist ein Museumsstück, wurde es doch von Victor Horta, einem Jugendstil-Architekten, Anfang des 20. Jahrhunderts für einen Textilhändler entworfen. Im Museum fällt mir zuerst der schöne überdachte "Innenhof" auf. Von hier aus führt eine Treppe zu den Ausstellungsräumen. Hier werden sowohl permanente Ausstellungen über die Klassiker und Comic-Veteranen als auch wechselnde Ausstellungen zu verschiedenen anderen Themen gezeigt. Ich bin aber vor allem an Werken des berühmten Morris, meines Schwiegervaters in spe, interessiert, der 1949 mit zwei anderen Comic- Zeichnern in den Wilden Westen reiste. Diese Reise hat ihn bestimmt zu dem Namen, den er später seinem Sohn gab, inspiriert. So "lucky" war dieser damit vielleicht nicht, aber bestimmt hat gerade das ihn so moralisch und stark gemacht...
In der "Brasserie Horta" im Comic-Museum treffe ich den jungen Pressechef und leidenschaftlichen Comic-Fan Willem de Graeve.
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Hat Brüssel einen besonderen Humor?
De Graeve: Belgier, und somit auch Brüsseler, besitzen in der Tat einen ganz speziellen Humor. Sie sind sehr anarchistisch und ironisch. Nimmt sich jemand zu ernst, wird er auf die Schippe genommen. über jeden werden Witze gemacht.
Gibt es in einer anderen europäischen Stadt eine vergleichbare Comic-Kultur?
De Graeve: In keiner anderen Stadt in Europa werden so viele Dauerausstellungen und Veranstaltungen zum Thema Comic geboten. Es gibt mindestens 25 Comic-Shops, mehrere Comic-Festivals und natürlich das Comic-Museum. In Frankreich werden zwar auch viele Festivals und Ausstellungen zum Thema Comic organisiert, aber die Comic-Kunst ist nicht, wie in Brüssel, ein ständiges Thema.
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Hast du für Comic-Touristen noch einen Geheimtipp?
De Graeve: Das Buch "Brüssel gestript" (ein spezieller Comic- Stadtführer, in Englisch, Französisch oder Niederländisch in den Comic-Shops zu bekommen) kann ich nur jedem empfehlen.
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Wann gibt es im Museum wieder eine Ausstellung mit Nachwuchskünstlern??
De Graeve: Immer zum Schuljahresende, d. h. Ende Juli, zeigen wir Werke der Absolventen von Universitäten, die Comic-Zeichnen als Unterrichtsfach anbieten.
Kennst du ein Nachwuchstalent, von welchem du denkst, dass es ein Talent mit Zukunft ist??
De Graeve: Da fällt mir auf jeden Fall Pieter de Poortere ein. Seine Serie "Bourke" kommt ganz ohne Worte aus und ist somit auch international leicht zu vermarkten. Seine Geschichten sind sehr humorvoll und individuell gezeichnet. Zwei seiner Bücher sind jetzt schon im Handel.




Cartoonist ZAK, Pseudonym des Flamen Jacques Moeraert
Willy Weyers: ZAK - Jacques Moeraert. Politische Zeichner und Cartoonisten in den Niederlanden - und Flandern (VIII). Aus: nachbarsprache niederländisch 1-2/2005, S. 40-56
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Gemeinsame Sprache, große Unterschiede:
Politische Zeichner in den Niederlanden und in Flandern

Nach sieben Beiträgen über politische Zeichner aus den Niederlanden ist nun endlich ein belgischer Zeichner an der Reige: ZAK, Pseudonym des Flamen Jacques Moeraert.
Dies wurde auch höchste Zeit, denn bekanntermaßen verfügt gerade Belgien über hervorragende Zeichner, die - wie z.B. Kamagurka - mit ihrem skurilen Spott auch die deutsche Satirezeitung Titanic bereichern.
Zu Beginn seien einige allgemeine Bemerkungen zu den unterschiedlichen Welten der niederländischen und der belgischen Zeichner/Cartoonisten gemacht. Als Beispiel kann auch hier ZAK dienen, der im Jahre 2004 als erster den BeNeCartoonpreis (Preis für die beste politische Zeichnung Belgiens und der Niederlande) gewann. Prämiert wurde eine Zeichnung, auf der ein Palästinenser in einem mit Israelis vollgestopften Bus lat "Bumm!" ruft. Der Kommentar eines grinsenden jüdischen Passagiers: "Nein, diese Palästinenser auch". Oberhalb der Zeichnung steht der Text: "Irgendwann wird es Frieden im Nahen Osten geben."
Die Jury, die ZAKs Zynismus und schwarzen Humor pries, erkennt in der Zeichnung aber auch ein positives Moment: die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft, die es irgendwann geben könnte. Ob es ZAK wirklich darum ging, die Botschaft der Hoffnung weiterzugeben, darf getrost bezweifelt werden, wenn man seinen Aussagen in Interviews folgt. Er will eigentlich nur auf politische, gesellschaftliche Schlagzeilen humorvoll reagieren. Sein primäres Interesse ist also nicht eine Botschaft, sondern der Humor, wobei Humor nicht gleich Witz zu setzen ist, und bei Humor einem auch manchmal das Lachen im Halse stecken bleibt.
Der von der Jury gepriesene Zynismus und schwarze Humor ZAKs ist nach Meinung vieler typisch für die belgische Zeichnungsszene, in der man weiter geht als in den Niederlanden. Die belgischen Zeichner stehen in der Tradition eines Landes, in dem Illustrationen, Cartoons und Comics einen bedeutenden Stellenwert haben. Belgien ist das Land von Lucky Luke, Suske en Wiske und Kuifje (Tim und Struppi), wo Bilder ihren Wert haben. Diese Wertschätzung zeigt sich etwa in einer Aktion der Gemeinde Kortrijk, die im Jahre 2003 eine Million Müllsäcke mit Zeichnungen von ZAK und "Herr Seele", einem weiteren belgischen Zeichner, bedrucken ließ. Auch die Müllwagen schmückten Cartoons von beiden.
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ZAK ZAK , im bürgerlichen Leben Jacques Moeraert (*1948), ist Autodidakt, er wohnt und arbeitet in Gent. Sein Pseudonym verweist einerseits auf seinen Vornamen, andererseits ist es auch ein Schimpfwort (nl. zak = dt. Sack)(4). ZAK veröffentlichte anfänglich in dem flämischen Wochenblatt Knack und zeichnete ab Anfang der achtziger Jahre für das satirische Blatt De Zwijger und nach dem Ende dieser Zeitschrift seit 1984 täglich in der belgischen Tageszeitung De Morgen. Daneben veröffentlicht er wöchentlich in der Volkskrant (in der Beilage "het Vervolg" am Samstag, De Groene Amsterdammer und dienstags auf der Meinungsseite der Tageszeitung De Limburger. Ab 1989 arbeitete er drei Jahre als zeichnender Kommentator des belgischen Fernsehen BRT mit an der auf aktuelle Themen eingehenden Talkshow Argus.
1999 und 2003 bekam er den Royale Belge Prijs für den besten belgischen Pressecartoon, 2000 den Arkprijs voor het Vrije Woord, einen symbolischen, im Jahre 1950 von dem flämischen Autor Herman Teirlinck ins Leben gerufenen Preis für Personen, die sich für die Freiheit des Denkens eingesetzt haben. Im Jahre 2002 erhielt er den Inkspotprijs für die beste politische Zeichnung des Jahres 2001 ... und 2003 den erwähnten BeNePrijs für die beste politische Zeichnung des Jahres in Belgien und den Niederlanden...
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Klare lijn - ligne claire - klare Linie
ZAK zeichnet in einem sehr einfachen, zugleich besonders effektiven Stil, der sich präzise an seinen kernigen, scharfen und derben Humor anschließt. Er betrachtet seine Arbeit primär als eine Form des Journalismus und nicht so sehr als Kunst. Daher meidet er Ausstellungen und hat auch wenig Interesse an Cartoonfestivals. Auffallend ist das fast vollständige Fehlen von Politikern in seinen Zeichnungen, es geht ihm vielmehr um "die Auswirkungen der Politik auf das alltägliche Leben".
ZAK sieht sich selbst zwar auch als einen politischen Zeichner, mehr noch aber als einen Cartoonisten. In der Tradition des belgischen Cartoonzeichners Hergé beansprucht er auch für sich die "klare Linie". "Ich habe einen Stil entwickelt, der nicht eine so absolute Genauigkeit erfordert. Dadurch ist alles leicht zu zeichnen, auch wenn ich nicht wüßte, wie man einen Feigenbaum zeichnet, der auch wie ein Feigenbaum aussieht. Ich würde dann eine Person hinzuzeichnen, die zu einer anderen Person sagt: Meiner Meinung nach stehen wir neben einem Feigenbaum. Ich zeichne alles aus dem Kopf. Ich zeichne gerne Bäume und Gärten. Meine Zeichnungen sind nicht naturgetreu, mit zwei Linien für den Stamm und einer Wolke für die Blätter bin ich fertig. Einen Baum kann ich auch in einer Linie zeichnen, genau wie Kinder das machen. In Flandern haben sie dafür die Bezeichnung "de klare lijn - ligne claire - klare Linie". Es ist eben der Stil Hergés des Zeichners von Tim und Struppi. Auf einen Blick sieht man alles. Es steht nie zuviel und nie zu wenig auf einer Zeichnung."(a href="#5">(5)
... Von daher ist politischer Zeichner gar nicht so passend. ZAK ist Cartoonist, thematisiert mit seinem Zeichenstift gesellschaftliche Themen und Entwicklungen, ohne dabei moralisierend, belehrend sein zu wollen...
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... ZAK ist nie um einen Einfall verlegen und um Höflichkeit kann es ihm ja als Cartoonisten wohl auch nicht gehen. Politisch korrekt handeln schon viele Politiker nicht, warum sollte es dann gerade ein Zeichner tun? Der ihm vorgeworfene Zynismus ist wohl eher der Spiegeleffekt einer zynischen Gesellschaft. "Ich bin nicht zynisch, ich lege nur den Zynismus der Ereignisse offen", sagt er selbst.(8)
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Zynismus der Ereignisse
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In seinen Zeichnungen finden sich immer wieder Menschen(gruppen), Ehepaare, einfache Menschen, die auf ein aktuelles politisches Thema (in absurder Weise) reagieren. ZAK läßt die kleinen Leute figurieren, "er identifiziert sich mit dem kleinen Mann auf der Straße, auf den alle Informationen einstürzen, selbst aber meistens nicht weiterkommt als das Studium der Schlagzeilen. Genau das macht auch ZAK: Er liest die Schlagzeilen und macht eine Zeichnung, nicht gehindert vom Hintergrundwissen, das im Artikel geliefert wird."(9)
Es sind Szenen einer Ehe, von Beziehungen, von Familien, an denen ZAK gesellschaftspolitische Inhalte spiegelt. Die Themen unserer Zeit, unserer Gesellschaft beschäftigen ihn ebenso: Alter, Einsamkeit, Arbeitslosigkeit, Schönheitswahnsinn, alle diese Phänomene nimmt er mit intelligentem Humor auf die Schippe.
Die beinahe brutale Wirkung der Zeichnung mit der alten Frau, die das Handy geschenkt bekommt..., liegt begründet im Gegensatz zwischen dem Inhalt des Geschenks: einem Handy, das Kommunikation herstellen soll, und der Realität des Desinteresses an wirklicher Kommunikation, an wirklicher Nähe.
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Unerwartete Sichtweisen
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Kehren wir zu der zu Beginn angesprochenen Position der belgischen Zeichner im Vergleich zu niederländischen und deutschen politischen Zeichnern zurück. ZAKs Zeichnungen zu den schrecklichen Selbstmordattentaten rufen auch immer wieder Reaktionen wie "geschmacklos" oder "zu scharf" hervor. Im Vorwort zu dem Katalog mit den besten belgischen Cartoons aus dem Jahre 2004 schrieb die Historikerin Anne Morelli: "Man darf über alles lachen. Auch über Armut, Anschläge, Völkermord, über die Kommerzialisierung des Sports, über Krieg und Rassismus, über Arbeitslosigkeit und die Profitsucht, über die Unterdrückung der Frau und den Terrorismus".(10)
... Eine Schlußfolgerung liegt nahe: ZAK würde in Deutschland nicht bei einer Tageszeitung arbeiten, einen Platz im Blätterwald könnte er wie sein belgischer Kollege Kamagurka wohl nur in einem Satiremagazin wie Titanic finden. Eigentlich schade.
ZAK-Bibliographie
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Anmerkungen: (4) Vgl. Eric Bracke: "De ontmaskeerende eerlijkheid van ZAK". In: Ons Erdeel 2/96, S. 201-208. Die übrigen Angaben gehen von den Hinweisen in Politiek in Prent aus.
(5) Zitiert nach Tom van der Leij: "Ik stel het dagelijkse ochtenhumeur bij". In: Grasduinen, december 2002
(8) Vgl. Eric Bracke: "De ontmaskerende eerlijkheid van ZAK". In: Ons Erfdeel 2/96, S. 201
(9) Ebd., S. 203
(10) Zitiert nach: Mark Kranenberg. "Ironie als wapen tegen het gezag". In NRC Handelsblad, 8 februari 2005
(10)

S. auch:
Marten Toonder / Heer Bommel en Tom Poes


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