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Informationen zur niederländischen Sprache und Kultur


Stand der Bearbeitung: 16.5.2008
Zuletzt bearbeitet: 18.5.2008

Die weibliche Seite der Sprache


Luise F. Pusch: Die DNA der Frauensprache. Immer Ärger über "Quotendeutsch": Doch die patriarchalisch geprägte Grammatik passt nicht mehr in die Zeit. Der Tagesspiegel Nr. 19814, 12.2.2008, S. 29
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... In Wahrheit hat feministische Sprachkritik immer fröhlich mit Sprache herumgespielt gegen rigide patriarchale Grammatikregeln. Ihr verdanken wir zum Beispiel Begriffe wie "herstory" (statt "his-story") und "shero" (statt "hero") oder das produktive Wortspiel "frau", wie in "Wenn frau ihr Kind stillt" – "Wenn man sein Kind stillt" fanden Frauen wenig stimmig...
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Das Deutsche eine Männersprache? Naive Naturen können sich das nicht vorstellen. Sie glauben noch immer, die Grammatik kenne keine Geschlechterungerechtigkeiten, sie sei vielmehr völlig neutral. Wissenschaftlich ist die Annahme, die Regeln der Sprache hätten sich unbeeinflusst von jahrtausende alten Machtstrukturen entwickelt, unhaltbar. Sprache ist kein Natur-, sondern ein historisch-gesellschaftliches Phänomen. Als solches darf sie auch kritisiert und verändert werden. Wenn Frauen bis vor etwa 50 Jahren in der Politik und allen anderen Machtzentren kaum vorkamen, so hat das in der Tiefe der Grammatik Spuren hinterlassen – die das Sprechen und Schreiben in einer geschlechtergerechter gewordenen Gesellschaft bis heute behindern.
Auffällig sind zumal die zahlreichen Personenbezeichnungen im Maskulinum, zu denen sich Feminina morphologisch ableiten lassen: der/die Lehrer-in; der/die Arbeiter-in. Die Feminina als abgeleitete Formen existieren hier nicht unabhängig von den Maskulina, es besteht eindeutig ein Verhältnis der Voraussetzung – so wie es das Wort "Engländer" ohne England nicht gäbe. Wie so manche sprachliche Absurdität lässt sich auch diese historisch erklären. Das formal gesehen unökonomische und absurde System ist ökonomisch und sinnvoll genau dann, wenn die männliche Hälfte der Menschheit als Norm gilt und die weibliche Hälfte von der männlichen abhängig ist und auch so wahrgenommen wird.
Während weibliche Formen gewöhnlich durch Suffixe von den männlichen gebildet werden (Gott – Göttin, Schirmherr – Schirmherrin), gibt es den umgekehrten Fall für Nutztiere häufiger (Ente – Enterich usw.), für Menschen jedoch nur zweimal: Hexe – Hexer, Witwe – Witwer. Nicht einmal die sogenannte Rückbildung wird akzeptiert: Aus "Kindergärtnerin" wird nicht "Kindergärtner", sondern "Erzieher". Aus "Krankenschwester" nicht "Krankenbruder", sondern "Krankenpfleger". Aus "Hebamme" nicht "männliche Hebamme", sondern "Geburtshelfer". Entsprechend werden die abgeleiteten Feminina auch von Frauen oft noch als zweitrangig empfunden, die Bezeichnung von Frauen mit einem Maskulinum wird hingegen als Aufwertung interpretiert: "Ich bin Ingenieur", formulieren besonders ostdeutsche Frauen. Bei aus Adjektiven und Partizipien abgeleiteten Personenbezeichnungen mit Differentialgenus (die/der Abgeordnete; die/der Jugendliche) ist die feminine Form nicht aus der maskulinen abgeleitet. Trotzdem bezeichnet "der Angestellte" sowohl den männlichen Angestellten als auch die Spezies der Angestellten. Theoretisch hätte für diese Neutralisierungsaufgabe auch das Femininum ausersehen werden können. Wenn "er" gleichwohl als neutraler empfunden wird als "sie", ist das nicht im Wesen der Grammatik begründet – die Ursachen liegen außerhalb.
Die Bezeichnung für den Mann wird stellvertretend für beide Geschlechter verwendet: die Bezeichnung für "das Wichtige" soll stellvertretend auch das "weniger Wichtige" einschließen. Aus einer weiblichen Gruppe machen die meisten Sprachen deshalb symbolisch eine Männergruppe, sobald ein einziger Mann hinzukommt. 99 Sängerinnen und ein Sänger sind auf Männerdeutsch "100 Sänger" ... Durch den Gebrauch generischer Maskulina werden Frauen in der Sprache aber unsichtbar gemacht ... Die Dominanz des Maskulinums in der Grammatik führt sogar dazu, die Kongruenzregel (das Prädikatsnomen stimmt mit seinem Bezugswort überein) zu verletzen ("Die Uni ist der größte Arbeitgeber am Ort") oder zu Referenzproblemen ("Bei jedem ist die Schwangerschaft anders").
Was ist zu tun? Gerecht wäre nach all den Jahrhunderten des "Mitgemeintseins" mal eine Umkehrung: Wir sagen nur noch "Berlinerinnen" und versichern den Männern, sie seien selbstverständlich immer herzlich mitgemeint. "Die Nächste bitte" ist nicht länger als "der Nächste bitte". "Jede kommt mal dran" ist sogar noch kürzer als "jeder kommt mal dran", "die Witwe" schreibt sich schneller als "der Witwer". Der Vorzug dieses Verfahrens bestünde darin, dass die oft als schwerfällig und ästhetisch minderwertig kritisierten Doppelformen ("Lehrerinnen und Lehrer") nicht nötig werden...
Gesellschaftlich weniger riskant ist hingegen die sanfte Humanisierung der Sprache mit einem Bündel von Maßnahmen, abgekürzt als DNA:
D wie Differenzierung oder Doppelform: "jede/r"
N wie Neutralisierung ("Studierende")
A wie Abstraktion ("Ministerium" statt wie früher "Der Minister", etc.)
Der Einwand von Journalistinnen, platzfressende Doppelformen schadeten dem Lesefluss, Abstraktion und Neutralisierung der Anschaulichkeit, ist nicht unberechtigt. Doch soll eine Sprache nicht nur bequem, sondern auch gerecht sein. Sollen die Frauen mit ins Boot, wird es halt etwas eng und unbequem, aber das ist kein Grund, sie hinauszuschubsen. Kann die DNA auch nicht durchgängig verwendet werden: Durch den Gebrauch weiblicher Bezeichnungen haben wir es selbst in der Hand, andere dazu zu bringen, an Frauen zu denken. Ganz einfach – und hocheffektiv. Viele finden diese Idee unwiderstehlich und haben, unterstützt durch zahllose Empfehlungen, Richtlinien und Erlasse, in den letzten 30 Jahren weltweit einen Sprachwandel in Gang gesetzt, der nicht mehr aufzuhalten ist. Das Maskulinum wird nie mehr das sein, was es mal war.

Und wie ist es im Niederländischen?
Dazu ziehe ich den Van Dale zu Rate:
-aar [bijvoorbeeld: de tekenaar [m] - der Zeichner]: achtervoegsel waarmee van zn. persoonsnamen worden gevormd die betekenen: iem. die het door het grondwoord genoemde beoefent, doet of heeft
vrouw: -aarster, -ares
[dus: de tekenaarster [f] - die Zeichnerin]
vergelijk: -enaar [bijvoorbeeld: de schuldenaar [m] - der Schuldner]:
achtervoegsel waarmee van zn. persoonsnamen worden gevormd die betekenen: iem. die het door het grondwoord genoemde beoefent, doet of heeft
vrouw: -enares
[dus: de schuldenares [f] - die Schuldnerin]

Das ist viel zu wenig. Ich frage P. Hobman, Niederlande. Und bekomme folgende Erläuterungen:
Die weiblichen Formen (nomina agentis feminina) zur Bezeichnung eines weiblichen Wesens, das eine Handlung verrichtet, sind im Niederländischen nicht so einheitlich wie in der deutschen Sprache, wo -in die allgemeine Endung dafür ist.
Es gibt folgende Hauptgruppen:
1. -in (de god, de godin; de duivel (der Teufel), de duivelin; de koning, de koningin; de slaaf (der Sklave), de slavin; de graaf, de gravin; de hertog, de hertogin; de aap (der Affe), de apin; de tijger, de tijgerin). Die Silbe -in wird betont! Diese Form ist nicht sehr häufig.
2. -ster (die weibliche Form von -er). Im Altgermanischen war -star/-stra ein Endung eines sogenannten nomen agentis (wie jetzt -er: arbeiden; Masculinum: de arbeider; Femininum: de arbeidster). Im Englischen, vor allem in der Volkssprache, kommt diese Endung wieder in der altgermanischen Manier zurück (der Gangster!) Nur: the spinster (die Frau, die unverheiratet bleibt und sich mit Arbeit als Spinnerin (Niederländisch auch: spinster) am Leben halten muss) ist noch ein englisches Nomen agentis femininum. Eine solche Frau heißt auf Niederländich abschätzig: de oude vrijster. Die Endung: -ster ist im Niederländischen sehr verbreitet, manchmal mit eigener Bedeutung: de werkster = die Putzfrau (nicht: die Arbeiterin) oder: eine der weiblichen Arten sozialer Insekten (Ameisen, Wespen, Bienen usw.). Weitere Beispiele: de schrijver, de schrijfster (beachte die Anpassungen in der Rechtschreibung!) = der Schriftsteller; de voetballer, de voetbalster = der Fußballer; de naaister = die Näherin; de trainer, de trainster = die Trainerin. Beachte, dass manchmal beim männlichen nomen agentis ein -d- eingefügt wird, das in der weiblichen Form entfällt: de woordvoerder, de woordvoerster; de aanvoerder, de aanvoerster; de beheerder (der Verwalter), de beheerster.
3. -es (aus dem Französischen -esse, vergleiche Englisch -ess): de leraar= der Lehrer, de lerares; de ambtenaar = der Beamte; de ambtenares = die Beamtin. Die Silbe -es wird betont! Auffällig ist: de prinses = die Prinzessin. Das Deutsche hat zwei ähnliche Endungen aneinandergereiht, und zwar -esse und -in. Der Niederländer empfindet dieses Wort wie: die weibliche Tochter eines Königs, also eigentlich eine Tautologie. Eine Tautologie ist eigentlich ein Stilfehler durch unnötige Verdoppelung eines Ausdrucks, wie: der große Riese, die runde Kugel.
Wörter auf -aar, oder mit französischen Wurzeln haben diese Endung: de eigenaar (der Eigentümer), de eigenares; de danser (der Tänzer), de danseres; de baron, de barones; Aber auch z.B. de priester, de priesteres; de dichter, de dichteres.
4. Erhalten gebliebene, französiche und andere ursprünglich ausländische Endungen: de caissière = die Kassengehilfin (z.B. im Supermarkt oder im Kino); de directeur (der Direktor), de directrice; de debiteur (der Schuldner), de debitrice; de masseur, de masseuse; de rector (der Rektor, z.B. eines Gymnasiums), de rectrix (Latein). Der Name der niederländischen Königin ist auch ein lateinisches nomen agentis femininum: Beatrix = die Segnende (männlich wäre: beator).
5. -e: für Wörter auf -ent, -ant, -ist: de agent, de agente; de president, de presidente; de sollicitant (der Bewerber), de sollicitante; de telefonist, de telefoniste; de terrorist, de terroriste. Auch: de prostitué, de prostituée = der/die Prostituierte; de soldaat, de soldate; de astronaut, de astronaute.
6. Bei manchen Wörtern, darunter vielen, die aus dem Englischen kommen, gibt es keine eigene Form für das Weibliche: de partner = der Partner oder die Partnerin; de collega = der Kollege oder die Kollegin; de arts = der Arzt oder die &Äuml;rztin; de rechercheur = der Krimimnalbeamte oder die Kriminalbeamtin. Manchmal wird "mannelijk" oder "vrouwelijk" hinzugefügt: De arrestante heeft het recht, zich uitsluitend door een vrouwelijke rechercheur te laten fouilleren. (fouilleren = den Körper einer verhafteten Person nach Waffen, Drogen, Diebesgut usw. durchsuchen). Een mannelijk arts kan een borstonderzoek bij een moslimvrouw beter aan een vrouwelijke collega overlaten. Das gilt auch für Vertreter(innen) noch typisch männlicher Berufe: een vrouwelijk tuinman (Gärtner), knecht, dominee (protestantischer Pfarrer) , elektricien (Elektriker), monteur, engel, timmerman, loodgieter (Klempner), matroos, smid (Schmied), metselaar (Maurer), officier, professor, hoogleraar (= Professor, Hochschullehrer), bisschop (lutherischer Bischof) usw.

Bezeichnungen vieler weiblicher Tiere sind genauso unregelmäßig wie im Deutschen: de reu / de teef (hond = Hund); de kater / de poes (kat = Katze); de stier / de koe (rund = Rind); de hengst /de merrie (paard = Pferd) ; de beer / de zeug (varken = Schwein); de ram /de ooi (schaap = Schaf); de geitenbok, de bok / de geit (geit = Ziege); de (herten)bok / de hinde ( hert = Hirsch); reebok / reegeit (ree = Reh); woerd / eend (eend = Ente); hen / haan (hoen = Huhn; auch bei vielen anderen Vogelarten); dar / koningin, werkster (bij = Biene). Die Elefantin = de olifantskoe. Allgemein in der Zoologie: het mannetje en het wijfje = das Männchen und das Weibchen.

Bezeichnungen von Frauen, die einem gewissen Volk angehören oder Einwohner einer gewissen Stadt sind, sind ebenfalls etwas unregelmäßiger als in der Deutschen Sprache, wo ebenfalls die Endung -in vorherrscht.
Beispiele:
1. Vorherrschend ist: -s(ch)e; man bilde die Wortgruppe: die....sche Frau, und lasse dann das Wort "Frau" weg, also: die niederländische Frau = de Nederlandse vrouw: de Nederlandse, Duitse, Belgische, Italiaanse, Kroatische, Spaanse, Portugese, Finse, Poolse, Tsjechische, Oekraiense, Roemeense, Bulgaarse, Hongaarse, Griekse, Turkse, Amerikaanse, Mexicaanse, Braziliaanse, Argentijnse, Surinaamse, Arabische, Chinese, Japanse, Tibetaanse, Koreaanse, Vietnamese, Indische, Pakistaanse, Iraanse, Iraakse, Indonesische, Zweedse (Schwedin), Zwitserse (Schweizerin), Oostenrijkse, Afrikaanse, Marokkaanse, Libische, Soedanese, Egyptische, Beierse, Westfaalse, Hessische, Pruisische (Preußin), Amsterdamse, Haagse, Brusselse, Parijse, Romeinse, Napolitaanse, Milanese, Genuese, Venetiaanse, Madrileense, Berlijnse, Londense, New Yorkse usw.
2. Ausnahmen u.a.: de Russin (-in betont!) = die Russin; de Française = die Französin; de Friezin = die Friesin.

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